28. August 2014

Positionspapier der GNU zum Banter See

Gemeinschaft regionaler Natur- und Umweltschutzverbände – Wilhelmshaven und Umzu (GNU)

Die Zahlen in Klammern weisen auf die Quellenangaben am Ende des Textes hin.

1. Wichtige Bereiche aus der Sicht des Naturschutzes/der GNU

Der Landschaftsrahmenplan der Stadt Wilhelmshaven weist dem Banter See eine hohe Wertigkeit zu. Er weist den Banter See inklusive großer Teile an seinem Südufer als einen hochwertigen, landschaftsschutzwürdigen Bereich Nr. 8 aus (1).

Banter See, Blick von Nordost. Foto: Imke Zwoch

1.1 Biotoptypen, gefährdete und geschützte Pflanzenarten

Insbesondere am Südufer des Banter See zwischen Benzstraße und der Marineanlage Bordum findet sich ein Mosaik verschiedener Biotoptypen. Hier finden sich Pflanzengesellschaften, die den gesetzlich geschützten Biotopen nach Bundesnaturschutzgesetz zugeordnet werden und auch in der Roten Liste als bestandsgefährdet geführt werden.

Gesetzlich geschützt sind die Röhrichte im Uferbereich, der Sandmagerrasen bei Klein Wangerooge, verschiedene Kleingewässer und der Weidensumpfwald. (2)
Der genannte Bereich weist zudem mehrere gefährdete und geschützte Pflanzenarten auf (3). Dies sind Tausendgüldenkraut, Wasserfeder, Stechpalme und die Orchideenarten Breitblättriger Stendelwurz, Großes Zweiblatt und Knotiges Mastkraut.

1.2 Brutvögel

Als Brutvögel weist der Banter See eine Reihe von Wasservogelarten auf. Neben Höckerschwan, Stockente, Blässhuhn und Teichrohrsänger ist dies eine große Kolonie der Flussseeschwalbe.
Am NO-Ufer des Banter Sees befindet sich die Brutkolonie der Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) mit alljährlich durchschnittlich 427 Brutpaaren für den Zeitraum von 2002 - 2008. (4)

Die Kolonie ist seit 1969 als Naturdenkmal (5) geschützt. Zum Schutz der Kolonie gibt es einen 50 m breiten Streifen um die Kolonie, in dem jegliche Störung verboten ist.
Die Kolonie wird durch das Institut für Vogelforschung, Vogelwarte Helgoland seit den achtziger Jahren für populationsökologische Untersuchungen genutzt. Inzwischen hat sich das Projekt zu einem Vorzeigeprojekt von internationalem Ruf entwickelt.
Die Flussseeschwalbe wird in der Roten Liste der bedrohten Brutvögel in Niedersachsen als stark gefährdet geführt. (6)

1.3 Rastvögel

Auf dem Banter See kommen zahlreiche Rastvögel vor: Austernfischer, Bergente, Blässhuhn, Brandgans, Brandseeschwalbe, Brautente, Eisente, Eistaucher, Eisvogel, Fischadler, Flussseeschwalbe, Gänsesäger, Großer Brachvogel, Haubentaucher, Hausente, Heringsmöwe, Höckerschwan, Hybrid Reiherente X Bergente, Kormoran, Krähenscharbe, Lachmöwe, Löffelente, Mandarinente, Moschusente, Nilgans, Ohrentaucher, Prachttaucher, Reiherente, Rotschenkel, Schellente, Schnatterente, Steinwälzer, Stockente und Zwergtaucher. (7)

Der Banter See ist ein wichtiges Rastgebiet für verschiedene Vogelarten und liegt in der Bewertung aktuell bei lokaler (Reiherente) über regionaler (Haubentaucher, Höckerschwan, Löffelente, Schnatterente, Stockente) bis hin zu landesweiter Bedeutung (Blässhuhn, Rotschenkel, Schellente, Zwergtaucher, Steinwälzer). Die benachbarten Hafenanlagen weisen keine auch nur annähernd vergleichbare Arten- und Individuenzahlen auf. Dies macht die besondere Bedeutung insbesondere des Wasserkörpers des Banter See für Rastvögel deutlich.

2. Forderungen des Naturschutzes

2.1 Keine Zerstörung von Sandmagerrasen bei Klein Wangerooge

Für den Bereich von Klein Wangerooge laufen derzeit Planungen zur Errichtung eines Campingplatzes an. (8) Der Campingplatz soll aus bis zu 220 Stellplätzen von 70-80 qm Standfläche bestehen. (9)
Aus Sicht der GNU handelt es sich hierbei um einen der wertvollsten Bereiche am Banter See, der damit überplant und zerstört werden soll. Die Anlage eines Campingplatzes auf dem nur noch zeitlich begrenzt genutzten Gelände der Ems-Jade-Mischwerke ist dagegen aufgrund des dort vollständig versiegelten Bodens aus der Sicht der GNU unproblematisch.

Seitens der GNU wird die Anlage eines Campingplatzes auf dem gesetzlich geschützten Sandmagerrasen bei Klein Wangerooge abgelehnt. Der Anlage eines Campingplatzes auf dem Gelände der Ems-Jade-Mischwerke steht die GNU aufgeschlossen gegenüber.

2.2 Keine Zerstörung des Ökosystem Banter See

Probleme mit der Wasserqualität des Badesees Banter See führten in den letzten Jahren vermehrt zu bisher erfolglosen Bemühungen, Abhilfe zu schaffen. Das Ingenieurbüro Manzenrieder hatte den Auftrag zur „Datenbeschaffung, -auswertung und –bewertung zur Sanierungsoption Wasseraustausch Banter See“ (10), in der die nautische Nutzungsperspektive (11) ,also die Öffnung des Grodendamms für die Schifffahrt, berücksichtigt werden sollte.

Unter Beachtung der Entscheidungen der Stadt Wilhelmshaven musste sich das Büro Manzenrieder auf einen Handlungskorridor beschränken, in dem gewässerinterne Maßnahmen im Banter See nicht untersucht bzw. bewertet werden konnten: So z.B. die Entschlammung (Absaugen der gewässerschädlichen Weichsedimente), die Tiefenwasserbelüftung, (…) und die Wasserumwälzung sowie die großflächige Sedimentüberdeckung. (12) Möglicherweise wäre es als eine die Entschlammung unterstützende Maßnahme schon ausreichend, statt der großflächigen Überdeckung, lediglich die tiefen Löcher im Gewässerboden, in denen sich besonders dicke Schlammschichten angesammelt haben (13), aufzufüllen.

Da weitere Maßnahmen, wie die Bepflanzung der Uferzonen oder der Zustrom von Seewasser aus dem Jadebusen als wenig bzw. ungeeignet verworfen wurden, bleibt im Kern des Manzenrieder-Gutachtens lediglich die Öffnung des Grodendamms als Lösungsansatz zur Umwandlung des Banter See vom Brack- zum Salzwassersee übrig.

Und dies, obwohl „… die Kenntnisse für den Banter See aufgrund der vielen Dauermessungen, der personalgestützten Messungen und Laboranalysen aber auch der vielfältigen Untersuchungen der Vorjahre insgesamt sehr viel größer ist als im Binnenhafenbereich. Im Binnenhafenbereich stützen sich die Kenntnisse dieser Untersuchung auf die Ergebnisse einer Dauermesstation (Wasserstand, Wassertemperatur) und der personalgestützten Messungen und zugehörigen Analysen.“ (14)
Den Kern bildet dabei die Umwandlung des Banter See vom Brack- zum Salzwassersee. Eine „Öffnung des Grodendamms könnte zu einer Lösung des Blaualgenproblems führen, so Dr. Helmut Manzenrieder. Eine Garantie gebe es aber nicht.“ (15) Für eine stabile Entscheidungsgrundlage bedarf es zuvor noch einer „gewässerökologischen Bewertung“. (16)

Bei einer Umwandlung des Banter See vom Brack- zum Salzgewässer ist ein Verlust von zahlreichen Tier- und Pflanzenarten und Individuen zu erwarten. Zahlreiche bisher vorkommenden Arten werden voraussichtlich den Salzanstieg nicht überstehen. Ob dies unmerklich oder als größeres Artensterben geschieht, ist bisher nicht erörtert worden. Die Auswirkungen auf Fauna und Flora und in der Folge auch auf die menschliche Nutzungen des Sees sind völlig unklar und durch das Manzenrieder-Gutachten bisher nicht erhellt worden. Das Manzenrieder-Gutachten formuliert daher auch recht eindeutig: “Mit einer anschließenden gewässerökologischen Bewertung, unter Verwendung der hier vorgestellten Kenntnisse und aktuellen Daten, kann u. E. eine stabile Entscheidungsgrundlage gebildet werden.“ (17)

Der Reichtum der winterlichen Rastvögel auf dem Banter See - die auf dem anliegenden Großen Hafen fehlen - ist in den ökologischen Bedingungen des Banter Sees begründet. Ob die Versalzung des Banter Sees Auswirkungen auf die Entnahme von Biomasse durch Wasservögel hat oder ob die Biomasse dann komplett im Banter See verbleibt und die Nährstoffsituation noch zusätzlich zuspitzt, ist ungeklärt. Kurz und gut, die Öffnung des Grodendamms ist nach derzeitigem Kenntnisstand als schwerwiegender Eingriff in die Ökologie des Sees mit unabsehbaren Auswirkungen zu werten und mit entsprechend großer Skepsis zu betrachten und die Überlegungen, die Öffnungsweite des Grodendamms über das erforderliche Maß von 10 Metern hinaus zu vergrößern, um hiermit in die langfristige Planung zu integrierende, nautisch ausgerichtete Nutzungsperspektiven (18) zu eröffnen, gehen weit über die Bemühungen zur Bekämpfung der Cyanobakterien hinaus. Dies hat mit der vorgeblichen Absicht, die Wasserqualität im Banter See zu verbessern, nicht mehr das Geringste zu tun.

Die GNU fordert daher

  • die Untersuchung diverser Möglichkeiten zur Verbesserung der Wasserqualität im Banter See ohne Öffnung des Grodendamms.
  • eine eingehende ökologische Untersuchung zu Wirkungen und Nebenwirkungen einer Öffnung des Grodendamms durch Spezialisten vor einer weiteren Diskussion oder Entscheidung über die Öffnung des Grodendamms.
  • Die Ermittlung weiterer Folgen.

Die Eröffnung eines Planfeststellungsverfahrens vor abschließenden Ergebnissen verbietet sich dabei von selbst.

2.3 Keine Wohnbebauung am Banter See

Wilhelmshaven verzeichnet nach wie vor einen hohen Flächenverbrauch bei abnehmender Bevölkerungszahl. Zusätzlicher Wohnraum sollte daher nicht zu einer weiteren Zersiedelung führen, sondern vielmehr an bestehende Wohnbereiche anschließen, möglichst im Rahmen von Sanierungen vorhandenen Wohnraum aufwerten oder diesen ersetzen. In diesem Sinne wird eine Erweiterung der Wohnbebauung am Banter See als nicht zielführend angesehen. Vielmehr sollte es für das Landschaftsbild zu einer Sicherung des Freiflächenbestandes vor Wohnbebauung und einer Erhöhung des Anteils naturbetonter Elemente und Strukturen kommen. (19)

Die GNU sieht vielmehr die Schaffung von Flächen für die Erholungsnutzung im Bereich der ehemaligen Banter Kaserne (evtl. Anlage eines Park- und Freizeitareals im Eingangsbereich des Banter Sees) als städtebaulich zielführender an.

Die GNU fordert daher, von einer Wohnbebauung am Banter See Abstand zu nehmen.

3. Zukunftsmusik oder „Wo soll es hingehen?“

Der Banter See wurde auf der 2. Banter See-Konferenz in einer Ideenskizze als Ort für Freizeit, Erholung, Tourismus und Natur vorgestellt. (20) Die langfristige Verlagerung von nicht in eine städtische Lage integrierbarer Industrie im NW des Banter Sees scheint daher unstrittig. (21)

Der Landschaftsrahmenplan der Stadt Wilhelmshaven weist unter dem Oberbegriff „Erholung“ ausdrücklich auf den Konfliktbereich zwischen der Intensität der Erholungsnutzung und der natürlichen Belastbarkeit von Natur und Landschaft hin. Es wird einerseits auf erreichte Belastungsgrenzen am Banter See und andererseits auf Maßnahmen zum Schutz der empfindlichen Natur und der Sicherung der Erholungsfunktion hingewiesen. (22)

Aus heutiger Sicht scheinen die o.g. Konfliktbereiche zwischen Erholung (incl. Freizeit und Tourismus) und Schutz der Natur durch Gespräche aller Beteiligten lösbar. Die städteplanerischen Absichten der Stadt Wilhelmshaven stellen, zumindest was den Schutz von Natur und Landschaft angeht, derzeit vermutlich größere Anforderungen. Werden die Pläne der Stadtverwaltung umgesetzt, ist die Natur der Hauptverlierer, aber auch erholungssuchende Wilhelmshavener werden ein attraktives Naherholungsgebiet verlieren.

Für eine zukünftige Nutzung des Banter Sees für Natur und naturnahe Erholung (resp. Freizeit und Tourismus) stellen sich aktuell folgende Schwerpunkte aus Sicht der GNU dar:

  • Aufstellung eines Grünordnungsplanes als Grundlage zur Lenkung der Erholungsnutzung am Banter See (siehe LRP)
  • Rückbau der nicht genutzten Industrieanlagen mit naturnaher Gestaltung
  • Freihalten des Banter Sees von jeglicher Wohnbebauung
  • Schutz der Uferzonen, bzw. bei Nutzungsaufgabe im Uferbereich Anlage eines Schutzstreifens nach BNatSchG § 61
  • Schaffung von Flächen für die Erholungsnutzung im Bereich der Banter Kaserne, evtl. Anlage eines Park- und Freizeitareals mit Gastronomie als „Einladung an den Banter See“
  • Schutz und dauerhafter Erhalt der geschützten Biotope und des Naturdenkmals
  • Lösung des „Blaualgenproblems“ ohne Öffnung des Grodendamms
  • Bei Nutzungsaufgabe Rückbau der Freizeitgrundstücke in der Westecke von Klein Wangerooge

Quellenangaben:
1 Landschaftsrahmenplan/Landschaftsplan Stadt Wilhelmshaven (1999): S. 160 – 161 sowie Karte 10 (Südteil)
2 Quelle: Anhang zum Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Brandschutz vom 06.11.2013
3 Quelle: Anhang zum Ausschuss für Umwelt, Landwirtschaft und Brandschutz vom 06.11.2013
4 BECKER, P.H. (2010):Populationsökologie der Flussseeschwalbe: Das Individuum im Blickpunkt. In: 100 Jahre Institut für Vogelforschung: 137-155.
5 Naturdenkmal Flussseeschwalben-Kolonie in Wilhelmshaven, in: Amtsblatt für den niedersächsischen Verwaltungsbezirk Oldenburg vom 13.06.1969
6Rote Liste Niedersachsen 2007: Zitiert nach KRÜGER et. al (2014): Atlas der Brutvögel in Niedersachsen und Bremen 2005 – 2008.
7 Quelle: Eigene Beobachtungen, weitere Quellen, u.a. verschiedene Jahresberichte der OAO
8 WZ vom 23.10.2013: Bald Campingplatz am Banter See möglich - Stellplatz … in Planung
9 Michael Witt: “Vitale Südseite – 2. Banter See-Konferenz vom 15.05.2014
10 Ingenieurbüro Dr.-Ing. Manzenrieder und Partner: Banter See - Ergebnisse der Messprogramme 2011 – 2014, Seite 85
11 Ingenieurbüro Dr.-Ing. Manzenrieder und Partner: Banter See - Ergebnisse der Messprogramme 2011 – 2014, Seite 93
12 Ingenieurbüro Dr.-Ing. Manzenrieder und Partner: Banter See - Ergebnisse der Messprogramme 2011 –2014, Seite 85 und 90
13 Ingenieurbüro Dr.-Ing. Manzenrieder und Partner: Banter See - Ergebnisse der Messprogramme 2011 –2014, Seite 17 Abb. 13
14 Ingenieurbüro Dr.-Ing. Manzenrieder und Partner: Banter See - Ergebnisse der Messprogramme 2011 –2014, Seite 85 und 86
15 Wilhelmshavener Zeitung vom 09.05.2014
16 Ingenieurbüro Dr.-Ing. Manzenrieder und Partner: Banter See - Ergebnisse der Messprogramme 2011 – 2014, Seite 94
17 Ingenieurbüro Dr.-Ing. Manzenrieder und Partner: Banter See - Ergebnisse der Messprogramme 2011 – 2014, Seite 94
18 Ingenieurbüro Dr.-Ing. Manzenrieder und Partner: Banter See - Ergebnisse der Messprogramme 2011 – 2014, Seite 93
19 Landschaftsrahmenplan/Landschaftsplan Stadt Wilhelmshaven (1999): S. 135
20 Michael Witt: “Vitale Südseite – 2. Banter See-Konferenz vom 15.05.2014
21 Handlungskonzept Step Plus Wilhelmshaven –Entwurf-: 28.
22 Landschaftsrahmenplan/Landschaftsplan Stadt Wilhelmshaven (1999):198-199.




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