16. August 2014

Kleinod Schleuseninsel

 

Erstaunliches erfuhren die Teilnehmer einer geführten Wanderung auf der Schleuseninsel am vergangenen Samstag. Die Sektion Wilhelmshavens des Deutschen Alpenvereins (DAV) hatte dazu eingeladen, vor Ort die naturkundlichen Besonderheiten der Schleuseninsel kennenzulernen. Für den erkrankten Wilhelm Faber sprang kurzfristig Dr. Maria Röbbelen (BUND Kreisgruppe Wilhelmshaven) als Exkursionsleiterin ein. Auf spannende Art vermittelte sie, wie die heutige Vielfalt an Lebensraumtypen, Tier- und Pflanzenarten mit der Geschichte der Schleuseninsel verwoben ist.

Ausgehend vom Dauensfeld, einer schlickigen Landzunge, wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts eine Hafenfläche erschaffen, die Anfang des 20. Jahrhunderts -Halbinsel drei Schleusen umfasste. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die 2. und 3. Einfahrt – auch mit Kriegstrümmern - verfüllt. Nach Aufgabe der militärischen Nutzung entwickelte sich ein Freizeit- und Naturparadies. Uferweg, Freizeitgärten, Hundeauslauffläche, Angelgewässer, Segelhafen, ein Stellplatz für Wohnmobile und eine Badestelle bieten Urlaubern und Einheimischen stille Erholung.

Gleichzeitig blieb der Natur genügend Raum, sich die Schleuseninsel zurück zu erobern. Auf sandigem Untergrund das Birkenwäldchen, auf alten Marschablagerungen ein Pappelwäldchen. Die Reste der Dritten Einfahrt haben sich zu einem naturnahen Binnengewässer entwickelt. Schilfröhricht hat sich hier ausgebreitet. Nördlich davon hat sich ein Trockenrasen gebildet. Diese drei Lebensräume sind als gefährdete Biotope nach dem Bundesartenschutz besonders geschützt.

Die Schleuseninsel umfasst gerade mal drei Prozent des Stadtgebietes, beherbergt jedoch 50% der Pflanzenarten, die im gesamten Stadtgebiet vorkommen. Darunter sind seltene und geschützte Arten wie Breitblättriger Ständelwurz, eine Orchidee, das Echte Tausendgüldenkraut oder, am Deichfuß, der Strandflieder, eine nach Bundesnaturschutzgesetz geschützte Pflanzenart. Faszinierend war für die Exkursionsteilnehmer auch das Tierarten-Inventar der Schleuseninsel. Dazu zählen 10 der 13 im Stadtgebiet vorkommenden Fledermausarten, 21 Libellenarten oder auch der Pirol, den man sonst selten zu sehen oder hören bekommt – allesamt in Deutschland besonders geschützte Tierarten.

Nicht nur die Natur, auch historische Bauwerke auf der Schleuseninsel sind besonders geschützt, wie der Signalturm an der ehemaligen 3. Einfahrt und die gesamte Schleusenanlage der ehemaligen 2. Einfahrt.

So entstand unter den Teilnehmern eine rege Diskussion über die Zukunft der Schleuseninsel, denn die geplante gewerbliche und hafenwirtschaftliche Nutzung würde die geschützten Natur- und Kulturschätze unwiederbringlich zerstören. Umgekehrt bietet die Schleuseninsel im jetzigen Zustand der Stadt die Gelegenheit, ihrer verbindlich unterzeichneten Selbstverpflichtung für „Biologische Vielfalt in Kommunen“ Rechnung zu tragen.

Die Gemeinschaft regionaler Natur- und Umweltschutzverbände Wilhelmshaven und Umzu (GNU) hat das Faltblatt „Rettet die Schleuseninsel für Mensch und Natur“ herausgegeben, das in vielen öffentlichen Einrichtungen, Kiosken und anderen Auslagestellen kostenlos erhältlich ist.

17. März 2014

Die Schleuseninsel muss als Natur- und Freizeitrefugium erhalten bleiben!

Gemeinsame Erklärung der GNU zur geplanten gewerblichen Nutzung der Schleuseninsel

Das Gebiet nordöstlich des Fluthafens bietet sowohl einer vielfältigen Freizeitnutzung als auch der unbeeinträchtigten Natur ausreichend Raum. Der Seedeich mit den vorgelagerten Molenköpfen der 2. und der 3. Einfahrt werden sommers wie winters gerne zum Spazieren und Verweilen mit abwechslungsreichen ‚Rundumblicken’ über Land und Meer genutzt. Zwischen Deich und Schleusenstraße haben sich die Freizeitgärtner ihre grüne Idylle geschaffen. Daran schließen sich artenreiche Grünlandflächen und ein Birkenwäldchen an. Darin eingebettet ein Weiher, Schilfröhricht und Sandtrockenrasen, in denen seltene und geschützte Tier- und Pflanzenarten leben. Auch ein Fledermausquartier befindet sich in diesem Abschnitt.

Die Schleuseninsel bietet somit eine sinnvolle Ergänzung zu den vielfältigen Vergnügungsangeboten am Südstrand. Gleichzeitig ist eine wertvolle Naturoase entstanden. Es gibt also viele Gründe, die Schleuseninsel in ihrer heutigen Erscheinungsform zu erhalten.

Der Rat der Stadt hat dagegen etwas anderes beschlossen: Mit seiner Zustimmung zum Bebauungsplan Nr. 150 hat er ein Teilgebiet zur Vermarktung an Hafenumschlags-, Transport- und Montagebetriebe freigegeben. Das Plangebiet schließt zudem die Bucht vor dem denkmalgeschützten hafenseitigen Schleusentor der 2. Einfahrt  - bzw. südlich vom ‚Neuen Hafentor’ - mit ein. Sie soll für den Bau eines Terminals für den Hafenumschlag zugeschüttet werden.

Doch damit nicht genug:

Die Eigentümerin dieses Gebiets, die landeseigene „Niedersachsen Ports GmbH & Co. KG“ (N-Ports), geht mit ihren Vorstellungen gar noch zwei Schritte über den rechtswirksamen Bebauungsplan hinaus:

  • Sie möchte auf der Seeseite das Watt zwischen der denkmalgeschützten 2. sowie der 3. Einfahrt zur Schaffung eines weiteren Hafenumschlag-Terminals aufspülen.

  • Auch die ökologisch wertvolle Naturlandschaft zwischen den Freizeitgärten und dem Grenzzaun der Marine soll dem Hafenareal zugeschlagen werden. In diesem Bereich steht zudem das Baudenkmal Signalturm.

 Damit würden auch die vier Lebensräume, die nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt sind, zerstört: Der Weiher als naturnahes Binnengewässer, Schilfröhricht, Trockenrasen und Schlickwatt.

 Auf Kosten von Natur- und Denkmalschutz sowie Freizeitaktivitäten soll auf der Schleuseninsel also ein Industriehafen entstehen, der ausschließlich über den Südstrand für Autos und Schwerlastverkehr zugänglich ist. Hotels, Gastronomie, Aquarium, Wattenmeerhaus und Marinemuseum sollen künftig ihren Gästen Lärm, Abgase und Gefährdung beim Überqueren der Straße zumuten. Die negativen Folgen werden also weit über die Schleuseninsel hinausreichen und dürften dem Tourismusbetrieb am Südstrand kaum förderlich sein.

Wir sehen uns deshalb dazu veranlasst, jegliche Hafenplanung auf der Schleuseninsel abzulehnen.

An Stelle dessen sprechen wir uns für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Schleuseninsel als Naturerlebnis- und Freizeitidylle aus.

Hierzu ist die Einstellung der hafenwirtschaftlichen Erweiterungspläne durch N-Ports sowie die entsprechende Umwidmung des Bebauungsplans Nr. 150 erforderlich.

 

Gemeinschaft regionaler Natur- und Umweltschutzverbände –Wilhelmshaven und Umzu (GNU)

 ●   Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems e.V. (BSH) Kreisgruppe Wilhelmshaven

●   Bund für Umwelt und Naturschutz Niedersachsen e.V. (BUND) Kreisgruppe Wilhelmshaven

●   Deutscher Alpenverein e.V. (DAV) Sektion Wilhelmshaven

●   Landesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz Niedersachsen e.V. (LBU) Vertretung Wilhelmshaven

●   Naturfreunde Deutschlands e.V. Ortsgruppe Wilhelmshaven

●   Naturschutzbund Deutschland (NABU) Wilhelmshaven e.V.

●   Tierschutz-Aktiv-Friesland und Umzu e.V.

Jochen Martin

Tel.: 04421/34734

Email: martin.jochen@t-online.de




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