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BUND Kreisgruppe Wilhelmshaven

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Herbstputz für plastikfreie Schwalbennester

Eine gemeinsame Aktion von BUND und THW gegen die Folgen der Meeresvermüllung legt den Grundstein für die weitere Zusammenarbeit


Ein Abend wie Seide am Nassauhafen: sommerliche Wärme, Windstille, Boote im spiegelglatten Wasser, himmlische Ruhe. Nur die frühe Dämmerung erinnert daran: es ist bereits Mitte Oktober. Plötzlich schrecken die Gäste auf der Terrasse der Gaststätte „Seglerheim“ auf: Gleich drei Einsatzfahrzeuge des technischen Hilfswerkes (THW) rollen durch das Deichschart, uniformierte Einsatzkräfte laufen auf die Nassaubrücke, stellen Warnschilder und Pylone auf, schaffen Leitern heran, installieren Schweinwerfer, setzen den Generator in Gang, rüsten sich mit Schwimmwesten aus.

Was ist da denn passiert? Entwarnung: Keine Person ist verletzt oder ins Wasser gefallen. Beim heutigen Einsatz geht es nicht um Menschenleben, sondern um das Wohlergehen gefiederter Mitgeschöpfe. Seit vielen Jahren bauen Rauchschwalben ihre Nester oben auf den Stahlstreben der Nassaubrücke. Und leider bauen sie, wie andere Vögel auch, gefährliche Fundstücke mit ein, nämlich die Hinterlassenschaften unserer Plastik-Gesellschaft. Kunststoffbänder und Folien werden allzu oft vor allem Jungvögeln zum Verhängnis.

Gerade gab es im Wattenmeer Besucherzentrum - im Rahmen der Zugvogeltage - einen Vortrag über die vermüllten Nester der Brutvögel am Helgoländer Lummenfelsen. Doch das Problem existiert mittlerweile überall, auch direkt vor unserer Haustür. Kurt Bernert, der sich in der BUND Kreisgruppe Wilhelmshaven schwerpunktmäßig gegen den Meeresmüll engagiert, ist täglich draußen unterwegs und hat die Tiere und ihre Lebensstätten im Weltnaturerbe Wattenmeer genau im Blick. So entdeckte er unlängst auch die Plastikschnüre, die aus den Schwalbennestern baumelten. Ein Blick in die Nester (mit Leiter und Sicherungsperson) bestätigte seine Befürchtung, dass sich dort noch viel mehr Plastik findet, als von unten sichtbar ist.

Schon seit längerem hat Bernert gute Kontakte zum hiesigen Ortsverband des THW und als er dem Ortsbeauftragten Bernd Leithold und dem Jugendleiter Tim Blanke das Problem vortrug, waren sie sofort Feuer und Flamme: „Ein solcher Einsatz ist eine super Übung für unsere Jugendabteilung, um das bisher Gelernte praktisch und gleichzeitig sinnvoll anzuwenden.“ Die knapp 30 Kinder und Jugendlichen freuten sich schon im Vorfeld darauf und gingen mit Begeisterung zu Werk. Die Vorgabe war, das Plastik zu entfernen, ohne die Nester dabei zu beschädigen oder zu zerstören. „Am Ende der Brutsaison sehen die Nester von Natur aus etwas mitgenommen aus. Wenn die Schwalben im Frühjahr an ihren angestammten Brutplatz zurückkehren, wird das vorhandene Nest von den Vögeln sorgfältig repariert“ erklärt Imke Zwoch vom BUND. „Wir möchten, dass sie dann wenigstens plastikfreie Kinderstuben vorfinden.“ Die Aktion wurde im Vorfeld mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt.

Bei der Kontrolle und Reinigung der Nester in mehreren Metern Höhe konnte der THW-Nachwuchs ausgiebig die sichere Handhabung von Leitern und Sicherheitsausrüstung üben. Heraushängende Plastikbänder wurden mit der Schere abgeschnitten, aber auch innerhalb der Nester gab es unerfreuliche Fundstücke. Ein komplettes „Inlett“ aus flauschigen Federn war kreuz und quer mit dünnen roten Plastikfäden durchzogen.

Die Neueinsteiger der Jugendabteilung begaben sich daran, den Müll rings um den Nassauhafen einzusammeln. Wer gerade Pause hatte, erfuhr im Gespräch mit den Ehrenamtlichen des BUND- Wissenswertes zum Thema Plastikmüll. Dabei zeigte sich, dass viele der Kinder sich schon intensiv damit beschäftigt haben. So wussten sie, was passiert, wenn ein heliumgefüllter Luftballon in den Himmel steigt: Spätestens nach ein paar Tagen landet er wieder auf der Erde oder im Meer und zerfällt dann langsam zu Mikroplastik, wenn er nicht vorher versehentlich von einem Vogel oder einem anderen Tier verschluckt wird, das davon krank wird oder sogar stirbt. Das Interesse der jungen Rettungskräfte an dem Thema ist so groß, dass beschlossen wurde, demnächst einen Gruppenabend mit Schulung durch den BUND zu gestalten. „Unser Ziel bleibt, dass Plastik gar nicht erst in der Natur landet“, erklärt Rainer Büscher. „Um das zu erreichen, gibt es keine besseren Multiplikatoren als Kinder, schließlich geht es ja um ihre eigene Zukunft“.

Nach zwei Stunden war der Einsatz für diesen Abend beendet. In Kürze wird die THW-Jugend noch einmal ausrücken, um die restlichen Nester zu bearbeiten. Alle waren sich einig, dass es eine tolle Aktion war, wie Tim Blanke auch im Nachgang bestätigte: „Die Kids haben noch sehr davon geschwärmt, als wir schon wieder zurück an unserer Unterkunft waren.“

Bilder zu unserer Schwalben-Aktion

Friedrichsfeld muss erhalten bleiben

Friedrichsfeld muss erhalten bleiben Friedrichsfeld muss erhalten bleiben (Ulf Berner-Stadtmedia)

Am 23.09.2018 folgten über 150 Menschen dem Aufruf von Thomas Coldewey von der BUND Ortsgruppe Friesland, sich dem geplanten Landschafts-Umbauvorhaben in Varel-Friedrichsfeld entgegen zu stellen.

Hintergrund ist der geplante Bau der "Küstenautobahn" A20, wenige Kilometer südlich vom ehemaligen Bundeswehr Standortübungsplatz Friedrichsfeld. Für den durch die geplante Autobahn entnommenen Naturschutzraum muss eine Ausgleichsfläche geschaffen werden. Das durch die Autobahn betroffene Naturschutzgebiet ist allerdings von ganz anderer Struktur, als Friedrichsfeld und beherbergt die unter Naturschutz stehenden Kibitze. Nun soll also Friedrichsfeld mit seiner einzigartigen Naturlandschaft, seinen Biotopen und den 75 ha alten Baumbestandes umgestaltet werden um eine Wiesenlandschaft zu schaffen. Niemand kann im übrigen sagen, ob die Vögel diesen Umsiedlungsraum überhaupt annehmen.
Coldewey und Susanne Grube, Vorsitzende der BUND-Kreisgruppe Ammerland wiesen auf die Sinnlosigkeit dieses Vorhabens hin. Insbesondere die geplante Autobahn A20 kritisierten beide scharf. Grube rief die Anwesenden auf Zeichen zu setzen und Leserbriefe an ihre Lokale Zeitungen zu schicken.

Coldewey entsandte Grüße in den Hambacher Wald, wo Menschen einen weiteren Naturraum schützen wollen, der fragwürdigen und rein kommerziellen Interessen weichen soll.

Auf politischer, wie auch auf gesellschaftlicher Ebene wird es noch ein langer Weg sein, will man Friedrichsfeld retten und die Autobahn verhindern. Sicher folgen hier noch weitere Aktionen.


Youtube Video
https://youtu.be/2Z5nifuHL_s 

Ist das Kunst oder kann das weg?

Straßenbild von Rainer Büscher Straßenbild von Rainer Büscher  (Rainer Büscher)

Das Meer muss es auslöffeln 

Mit „Straßenkunst“ der besonderen Art war der BUND beim StreetArt-Festival vertreten: 1.758 Plastik-Eislöffel sorgten für intensive Gespräche über die Vermüllung der Natur.


Sommerzeit ist Eiszeit. Hunderte Portionen Speiseeis werden täglich allein am Südstrand verkauft, mittlerweile gehört fast überall ein bunter Eislöffel aus Plastik dazu. Wohin damit, wenn das Eis und die Waffel aufgegessen sind? Eigentlich in den Mülleimer, davon gibt es auf der Promenade genug. Tatsächlich landet ein großer Teil der Löffel in der Natur. Neben „to-go“-Bechern, Plastikflaschen und -tüten, Zigarettenkippen und Resten von Luftballons gehören die Eislöffel zu den häufigsten Fundstücken, die Mitglieder der BUND Kreisgruppe und der JadeWale täglich bei ihren Rundgängen entdecken, einsammeln und entsorgen.


Um das Ausmaß der Naturverschmutzung sichtbar zu machen, wurden seit Mitte Juni exemplarisch die Plastik-Eislöffel am Südstrand täglich gesammelt und aufbewahrt. Beim StreetArt-Festival wurde das Ergebnis in einer durchsichtigen Box am Infostand auf der Rambla präsentiert: Die Besucher wurden eingeladen zu schätzen, wie viele Löffel zusammengekommen waren. Wer Lust hatte, konnte die Zahl aufschreiben und an einem Gewinnspiel teilnehmen. Doch schon ohne die genaue Zahl zu kennen, stimmte der Anblick der 10-Liter-Box, die sich in nur sieben Wochen bis zum Rand mit kleinen Plastiklöffeln gefüllt hatte, die meisten sehr nachdenklich – Anlass für viele angeregte Gespräche mit den ehrenamtlichen Experten vom BUND.


„Der Spruch ‚ist das Kunst oder kann das weg‘ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung,“ stellt die BUND-Vorsitzende Imke Zwoch sarkastisch fest. Nicht nur ihr ist es ein Rätsel, warum die paar Meter bis zum nächsten Abfallbehälter vielen zu weit sind und sie lieber die einmalige Natur am Wattenmeer mit buntem Plastik „verzieren“. Zudem seien die Löffel absolut überflüssig: „Die Eiswaffel wurde vor etwa 125 Jahren erfunden, sie ist ein bewährter Vorreiter für umweltfreundliche ‚to-go‘-Verpackungen, denn traditionell schleckt man das Eis direkt aus der Waffel und kann diese dazu noch aufessen.“ Der BUND würde es sehr begrüßen, wenn die Eisverkäufer in Wilhelmshaven am Weltnaturerbe Wattenmeer.


Die Idee zu der Löffel-Aktion hatte BUND-Vorstandsmitglied Rainer Büscher. Vielen ist er als versierter Vogelexperte und Naturfotograf bekannt, er greift aber auch mal zum Bleistift, um die Schönheit der Natur festzuhalten. Beim StreetArt-Festival betätigte er sich erstmals als Straßenmaler: „Plastic is not fantastic“ nannte er sein 3x3m großes Bild unseres Erdballs, in dem er mit verschiedenen Objekten die Quellen des Eintrags von Plastik in die Ozeane symbolisierte. Ob Eislöffel und anderes Makroplastik, das den Weg ins Meer findet, ob Fleece- und andere Kunststoffkleidung, die bei jeder Wäsche Mikroplastik ins Wasser abgibt, ob Abfälle aus der Schifffahrt bis hin zu Autoreifen, deren Abrieb zu mehr als 50% zur Mikroplastik-Belastung der Gewässer beiträgt: Auch hier kam man interaktiv mit den Besuchern ins Gespräch.


Am Ende zweier Festival-Tage mit Hunderten von Gesprächen  

Der BUND Infostand Der BUND-Infostand

Der BUND Jahresbericht 2017 ist erschienen

Jahresbericht 2017 Zum Download bitte das Bild anklicken

Jahr für Jahr schließen sich immer mehr Menschen dem BUND an, schenken uns ihr Vertrauen und unterstützen unsere Arbeit mit ihren Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Wir freuen uns sehr über die kontinuierlich wachsende Zahl von Unterstützer*innen. Denn diese ermöglicht es uns, unsere Arbeit zum Schutz von Umwelt und Natur dauerhaft und finanziell unabhängig durchzuführen und abzusichern. Sie dabei an unserer Seite zu wissen, ist für uns von sehr großem Wert. Herzlichen Dank!


In den letzten 18 Monaten ist eine Menge passiert. Zusammen mit vielen Naturfreund*innen haben wir wichtige Themen und innovative Projekte auf den Weg gebracht. Ob für den Kohleausstieg, für artgerechte Tierhaltung, für die Rettung der Wildbienen, für Naturoasen und Artenvielfalt: Wir haben uns gemeinsam für Natur und Umwelt stark gemacht! In diesem Newsletter finden Sie exemplarisch drei unserer Erfolge 2017. Weitere Erfolge und ausführliche Einblicke in unsere Arbeit erhalten Sie in unserem druckfrischen Jahresbericht 2017. 

„Typisch Wilhelmshaven“: BUND und Einzelhandel setzen Zeichen gegen die Plastikflut

Typisch!Wilhelmshaven Büdel Typisch!Wilhelmshaven Büdel

Der neue Wilhelmshaven-Büdel soll nicht nur Einkäufe transportieren, sondern auch die Idee eines verantwortungsbewussten Lebensstils in der Stadt am Weltnaturerbe Wattenmeer. 

Jede Minute werden in Deutschland 10.000 Plastiktüten verbraucht. Auch in Wilhelmshaven gehören Tüten zum Stadtbild, erst beim Einkauf, später oft in Grünflächen und Gewässern, wo sie zusammen mit „to-go“-Bechern, Flaschen und andern wild entsorgten Behältnissen einen hässlichen Eindruck hinterlassen und Tiere und Umwelt gefährden. Mit dem neuen „Wilhelmshaven-Büdel“ wollen der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz) und der hiesige Einzelhandel gemeinsam ein Zeichen setzen für ein plastikfreies Wilhelmshaven. „Der Büdel ist nicht nur eine tragbare Alternative zu Plastiktüten, er soll auch ein Statement sein für die Aufbruchstimmung hin zu einer zukunftsfähigen Stadt am Weltnaturerbe Wattenmeer“, so die Initiatorinnen.
Julia Griesbach, Inhaberin von „Speed & Cotton“, gibt schon seit 2 Jahren keine kostenlosen Tüten mehr an ihre Kundschaft heraus. Wer drauf besteht, bekommt eine – gegen eine Spende für das Wattenmeer Besucherzentrum. „Die meisten kommen ins Nachdenken, spenden was – und verzichten schließlich doch auf die Tüte“, erzählt die Einzelhändlerin. An der Kasse kam sie auch mit Imke  Zwoch ins Plastik-Gespräch. Die Vorsitzende der BUND Kreisgruppe Wilhelmshaven ist seit vielen Jahren Stammkundin – und immer auf der Suche nach umweltfreundlichen Einkaufsmöglichkeiten in ihrer Heimatstadt. Auch Julia Griesbach, Vorstandsmitglied im City-Interessenverein (CIV), wollte über den eigenen Laden hinaus ökologisch etwas bewegen.
In vielen angeregten Gesprächen zwischen den beiden Frauen entwickelte sich der Entschluss, gemeinsam etwas Konkretes auf die Beine zu stellen, um vor Ort Zeichen gegen die Plastikmüllflut zu setzen. Vorstandsmitglieder des BUND und des CIV setzten sich an einen Tisch. „Wir waren uns einig, dass wir mit etwas ganz Einfachem anfangen, dem sich niemand aus Bequemlichkeit entziehen kann“, berichtet Imke Zwoch. So entstand die Idee für den Wilhelmshaven-Büdel. „Schon Anfang der 90er Jahre hat der City-Interessenverein einen Versuch mit Baumwolltaschen gestartet“, erinnert sich Julia Griesbach, „aber bis heute hat diese weitverbreitete langlebige Alternative die Plastiktüte nicht verdrängen können.“ Um erfolgreicher zu sein, sollte der neue Büdel also mehr sein als ein Transportmittel für Einkäufe, nämlich auch ein Statement, das identitätsstiftend hinter diesem und kommenden Projekten steht: „Wilhelmshaven liegt direkt am Weltnaturerbe Wattenmeer und in drei Jahren wird hier das Trilaterale Weltnaturerbe-Partnerzentrum eröffnet. Bis dahin sollten wir gut aufgestellt sein und zeigen, dass wir den UNESCO-Titel nicht nur tragen, sondern auch leben“, so die Initiatorinnen.
Gemeinsam mit der Grafikdesignerin Jenny Rosentreter wurde diesem Statement ein Gesicht und ein Slogan verliehen. Das Wilhelmshavener Urgestein Jonny Stuckas stand Modell als typisches Nordlicht, das dem Betrachter selbstbewusst und entschlossen von Taschen und Infokarten entgegenblickt. Der Slogan „typisch! Wilhelmshaven“ steht für einen positiven Imagewandel. „Typisch Wilhelmshaven hört man oft, wenn wieder etwas Unangenehmes passiert ist, von Kleinkriminalität bis hin zu illegaler Müllentsorgung in der Landschaft. Das ist natürlich Unfug“, so Imke Zwoch, „sowas passiert woanders auch. Dies wiederum ist kein Grund, alles zu relativieren oder schönzureden. Wir müssen das Übel beim Namen nennen und an der Wurzel packen.“ Ziel der Kampagne sei, „typisch Wilhelmshaven“ ins positive Gegenteil zu verkehren. „Wenn Gäste oder potenzielle Neubürger*innen oder die überregionalen Medien irgendwann feststellen: Hey, hier läuft niemand mit Plastiktüten oder Einwegbechern rum und nichts davon liegt am Straßenrand oder in Grünanlagen, dann ist das ein echtes Alleinstellungsmerkmal, das der Umwelt und dem Image unserer Stadt gleichermaßen zu Gute kommt“, erklärt Julia Griesbach.
Der Weg zu diesem ambitionierten Ziel beginnt mit einem einfachen Schritt. „Egal ob aus Naturfasern oder Kunststoff – wenn man eine Mehrwegtasche hundertmal verwendet, stimmt die Umweltbilanz“, so Griesbach. „Als Einstiegsmodell für Bequeme mit Hang zu Spontankäufen haben wir uns für Kunststofftaschen entschieden“, ergänzt Imke Zwoch. „Im Verhältnis zum Volumen haben sie zusammengefaltet ein bestechend kleines Packmaß, sie passen in jede Handtasche und jedes Herrenjackett, es gibt keine Ausrede dafür, sie nicht immer dabei zu haben.“ Klassiker der Kollektion ist die Baumwolltasche in schwerer Qualität mit Bio- und Fairtrade-Siegel, ebenso wie die Turnbeutel-Rucksäcke.
Zu jeder Tasche gibt es die Info-Karte mit dem „typisch! Wilhelmshaven“-Logo und einem erläuternden Text auf der Rückseite, überschrieben mit „Unser Dorf soll schöner werden“. „Mit dieser etwas provokanten Zeile wollen wir noch einmal unterstreichen, in welche Richtung der Imagewandel gehen könnte“, erklärt Jenny Rosentreter. „Wilhelmshaven ist keine Weltstadt, aber gemeinsam wollen wir zeigen, dass wir trotzdem kein muffiges Provinznest sind. Wir müssen uns nur mal trauen, gegen den Strom zu denken und ohne Wenn und Aber einfach auszuprobieren, was geht.“
Der faltbare immer-dabei-Büdel ist seit Anfang der Woche in vielen Geschäften in der Innenstadt zu haben (zum Preis von 2,95 Euro) und findet bereits reißenden Absatz. Baumwoll-Taschen, -Turnbeutel und -T-Shirts werden in Handarbeit in der Soulshinefabrik (Rheinstr. 36) mit dem "typisch" Wilhelmshaven"-Logo bedruckt und sind dort oder bei Speed&Cotton erhältlich.

Typisch!Wilhelmshaven Postkarte vorn Typisch!Wilhelmshaven Postkarte vorn
Typisch!Wilhelmshaven Postkarte hinten Typisch!Wilhelmshaven Postkarte hinten

Auf langen Atem folgt frischer Wind

Peter Hopp Peter Hopp  (privat)

Ein neuer Vorstand ist gewählt

33 Jahre lang war er Kopf und Herz der BUND Kreisgruppe Wilhelmshaven – nun geht Peter Hopp in den „zweiten Ruhestand“. Neue erste Vorsitzende ist Imke Zwoch, unterstützt durch Rainer Büscher und Georg Berner-Waindok als stellvertretende Vorsitzende. Auf der Jahreshauptversammlung im Botanischen Garten wurden weiterhin Jochen Martin und Cilli Berberich als Kassenprüfer gewählt, Denise Ahrend und Rainer Büscher vertreten die Kreisgruppe auf der Landesdelegiertenkonferenz aller niedersächsischen Kreisgruppen in Hannover.
1985 gründete Peter Hopp die damalige Kreisgruppe Wilhelmshaven-Friesland. Später wurden daraus zwei eigenständige Gruppen, die im regionalen Verbund mit Kreisgruppen aus Ostfriesland, dem Ammerland und Oldenburg eng zusammenarbeiten. Seinen Rückzug aus der ersten Reihe sieht Hopp mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Mein Arzt sagt, ich hätte keine gesundheitlichen Einschränkungen, die man in meinem Alter nicht haben dürfte“, so der 81jährige. „Aber mittlerweile fehlt mir doch die Kraft, mein Vorstandsamt so auszuüben, wie es mein Anspruch wäre.“
Sein Engagement begann schon in den 1950er Jahren und galt zunächst dem Tierschutz. Mit zunehmenden globalen ökologischen Problemen wuchs in den 80ern auch das gesellschaftliche Bewusstsein für den Natur- und Umweltschutz. Für Peter Hopp hieß es: Zeit, lokal zu handeln. So gründete er die BUND Kreisgruppe, gleichzeitig Teil eines bundesweiten Netzwerkes von heute über 2000 lokalen BUND-Gruppen. Für seinen langen Atem wurde Hopp vor zwei Jahren mit der Konrad-Buchwald Medaille ausgezeichnet. Der BUND Landesverband Niedersachsen vergibt diesen Preis jedes Jahr an Einzelpersonen, die sich besonders für Natur und Umwelt engagieren.
In einem bebilderten Rück- und Ausblick berichtete Imke Zwoch von den Aktivitäten des zurückliegenden Jahres und den Planungen für die kommenden Monate. Zu den Kernthemen des BUND zählt hier am Weltnaturerbe Wattenmeer der Schutz des Meeres und seiner Tierwelt. „Regelmäßig gibt es schockierende Bilder von vermüllten Meeren und durch Plastikmüll verendeten Tieren und auch am Strand vor unserer Haustür gibt es täglich unerfreuliche Müllfunde. Statt danach zur Tagesordnung überzugehen, muss das Thema dauerhaft auf der Agenda stehen und konkretes Handeln vor Ort bewirken“.
Mit der Plastikfasten-Kampagne wurde das Thema Plastikmüll sechs Wochen lang zu einem Dauerbrenner. Die täglichen Plastikfasten-Tipps des BUND wurden in der WZ veröffentlicht und fanden über die sozialen Medien auch bundesweit Verbreitung. „Ziel war, eine Basis zu schaffen für die dauerhafte Arbeit am Thema zusammen mit Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Bürger*innen“, so Imke Zwoch. Das gilt auch für andere ökologische Brennpunkte wie das Bienen- bzw. Insektensterben. „A place to bee“ heißt die bundesweite Kampagne des BUND, die von den Kreisgruppen vor Ort in konkrete Maßnahmen umgesetzt wird. Das sind eigene Projekte wie eine Schmetterlingswiese oder Kooperationen mit der Landwirtschaft, aber auch die Schärfung des Bewusstseins für die gemeinsame Verantwortung aller Akteure in den Kommunen. „Während alle vom Bienensterben reden, setzt sich weiter der Modetrend durch, Gärten, Plätze und Einfriedungen vor allem mit Schotter zu gestalten – aus Sicht von Bienen und Ökologen sind das Gärten des Grauens.“ Die Stadt müsse mit gutem Beispiel vorangehen -deshalb waren BUND-Mitglieder und andere Bienenfreunde ziemlich schockiert, als unlängst die gerade erblühten Bienenweiden z.B. an der Rheinstraße und in der Parkanlage Friedrich-Wilhelm-Platz bis auf die schwarze Erde niedergemäht wurden. „Grundsätzlich arbeiten wir konstruktiv mit der Stadtverwaltung zusammen, die Mitarbeiter der Naturschutzbehörde sind sehr kompetent – es bleibt eine Daueraufgabe, dass alle haupt- und ehrenamtlichen Akteure an einem Strang ziehen“, so Zwoch. Ein Wunsch ist deshalb, den „Runden Tisch Naturschutz“ wiederzubeleben. Die Kooperation mit anderen ehrenamtlichen Aktiven wie den JadeWalen, dem ADFC oder dem NABU sei ein wichtiges Instrument, um voranzukommen. „Wir sind unterschiedlich organisiert, aber wir haben die gleichen Ziele“.
Frischen Wind brachte in den letzten Monaten vor allem der monatliche BUND-Naturschutz-Stammtisch, zu dem auch Nichtmitglieder herzlich willkommen sind. Mit dem im Herbst eröffneten Café Freiblock wurde nach längerer Suche ein passender Treffpunkt gefunden, um sich in gemütlicher Atmosphäre auszutauschen und Projekte zu schmieden. „Wir wollen damit ein Forum bieten und Wege aufzeigen, was man selbst für den Schutz der Natur tun kann. Dafür muss man nicht Biologie studiert haben, das wichtigste sind Motivation und Ideen“. Aus dem Miteinander resultierte ein erfreulicher Zuwachs an Aktiven.
„Als eigenständige Kreisgruppe haben wir auch eigene Finanzmittel aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen und können zum Beispiel Arbeitsmittel oder Saatgut kaufen oder unseren Aktiven Fortbildungen ermöglichen. Das spart bürokratischen Aufwand für die Mittelbeschaffung und lässt uns Raum für die inhaltliche Arbeit“, so Imke Zwoch, die sich nun auf die Arbeit mit den neuen Vorstandskollegen und weiteren Aktiven freut.
Bei der Verabschiedung von Peter Hopp gab dieser seinen Nachfolgern eine wichtige Tugend mit auf den Weg: Den langen Atem, den man braucht, um die Belange von Natur und Umwelt im breiten Feld gesellschaftlicher Interessen durchzusetzen. 

v.l. Rainer Büscher, Imke Zwoch, Georg Berner-Waindok

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