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BUND Kreisgruppe Wilhelmshaven

Schweinealarm im Voslapper Groden

Wildschwein. Foto: BUND Wildschwein. Foto: BUND

Aktuell (Stand 2018) ist das Naturschutzgebiet Voslapper Groden durch die Ansiedlung von Wildschweinen gefährdet. Wann und wie das Schwarzwild ins Schutzgebiet kam, ist unklar. Die Vermutung, dass sie dort ausgesetzt wurden, ist bislang nicht bewiesen.

Wildschweine vermehren sich freudig. Sie sind Allesfresser und stellen deshalb für die Vogel- und Pflanzenwelt des Voslapper Grodens eine große Gefahr dar. Auf der Suche nach Wurzeln und Knollen pflügen sie großflächig den Boden um und ihr Appetit macht vor Eiern und Jungvögeln nicht halt.

Der Jagdpächter ist angewiesen, die Wildschweine durch Bejagung wieder aus dem Schutzgebiet zu verdrängen. Da er dem bislang nicht nachgekommen ist, soll der Jagdpachtvertrag neu vergeben werden. Durch Installation von Wildkameras wurde der Bestand beobachtet und es wurde festgestellt, dass die Schweine sogar noch angefüttert werden.

Die Abschuss-Anordnung stößt in Teilen der Bevölkerung auf heftige Kritik, da sie Mitleid mit den Schweinen haben und diese auch als Teil der Natur betrachten. Auf der einen Seite stehen Vögel wie die Rohrdommel, von der es nur noch wenige in ganz Niedersachsen gibt, der Bestand ist von der Auslöschung bedroht. Auf der anderen Seite steht ein jagdbares Wild, dessen Bestand sich deutschlandweit stark vermehrt. Im Rahmen der ordnungsgemäßen Jagdausübung werden in Deutschland mehr als eine halbe Million Wildschweine pro Jahr geschossen.

 

Naturschutzgebiet Voslapper Groden

Rohrdommel. Foto: BUND Rohrdommel. Foto: BUND

In den 1970er Jahren wurden an der Ostküste Wilhelmshavens riesige Watt- und Salzwiesenflächen eingedeicht und mit Sand aufgespült, der beim Ausbaggern des Jadefahrwassers gewonnen wurde. Diese Landgewinnung erfolgte in der Erwartung, dort in großem Maßstab Industrie anzusiedeln. Bis auf ein PVC-Werk und eine Raffinerie (heute nur noch Tanklager) gab es jedoch keine weiteren Investitionen. Den größeren, brach liegenden Teil holte sich die Natur zurück. Aufgrund der kleinräumig unterschiedlichen Bodenverhältnisse entwickelte sich eine Vielfalt natürlicher Standorte. In feuchteren, schlickigen Teilen des ursprünglichen Meeresbodens wuchsen anfangs noch Salzwiesenpflanzen. Heute ist der Voslapper Groden geprägt durch großflächige Schilfröhrichte, sumpfige Bereiche, offene Kleingewässer und Gebüschgesellschaften (überwiegend aus Weiden), Dünengebiete, Trockenrasenbereiche und an den Rändern Frisch- und Feuchtgrünland. Bemerkenswert sind unter anderem ausgedehnte Orchideenbestände.

Im Westen ist der Voslapper Groden durch den alten Seedeich abgeschirmt, im Osten durch die umzäunte Pipeline, die vom (ehemaligen) Chlorgaswerk im Rüstersieler Groden bis zum PVC-Werk im Norden des Voslapper Grodens führt. Deshalb wurde der Groden kaum von Menschen betreten - ideale Voraussetzung für die Ansiedlung scheuer Vogelarten.

Im Jahr 2000 entdeckten Ornithologen dort zahlreiche schützenswerte Vogelarten, darunter sechs, die gemäß der Europäischen Vogelschutzrichtlinie bedroht und streng geschützt sind: Rohrdommel (Botaurus stellaris), Tüpfelsumpfhuhn (Porzana porzana), Blaukehlchen (Luscinia svecica), Rohrschwirl (Locustella luscinioides), Schilfrohrsänger (Acrocephalus schoenobaenus) sowie Wasserralle (Rallus aquaticus).

Die EU-Mitgliedsstaaten sind verpflichtet, diese sogenannten wertbestimmenden Vogelarten und ihre Lebensräume zu erhalten. Unter anderem müssen Europäische Vogelschutzgebiete nach nationalem Recht (in diesem Fall durch Ausweisung als Naturschutzgebiet) geschützt werden. 

Die Stadt (als Untere Naturschutzbehörde) und das Land Niedersachsen machten allerdings zunächst keine Anstalten, dieser Verpflichtung nachzukommen. Mit Unterstützung unseres Landesverbandes konnten wir jedoch Bewegung in die Sache bringen. 2006 wurde der Voslapper Groden Süd unter Naturschutz gestellt, 2007 der nördliche Teil.

Hier gibt es weitere Informationen (Verordnungstext, Karten, Steckbrief):

Voslapper Groden Süd

Voslapper Groden Nord

 

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